Er schlief zwischen den Rohren in einem Schacht, und jetzt bietet er anderen ein Dach über dem Kopf
Es gibt Geschichten, die man sich nicht ausdenken kann – denn keine Vorstellungskraft ist in der Lage, die Tiefe des Absturzes und die Kraft der Rückkehr zu erfassen, die ein realer Mensch durchlebt. Die Geschichte von Alexei Bersenev ist ein Weg vom Sportring in die Welt der Kriminalität, von den Gefängnismauern zu einem Kanaldeckel und schließlich zu einem neuen Leben, das größer wurde als alles, was er zuvor hatte.
Oleksii war Meister des Sports im Boxen. Er trainierte täglich, rauchte nicht und trank so gut wie keinen Alkohol. Er fuhr sogar Kinder zu den ukrainischen Meisterschaften. Nach außen hin – ein disziplinierter, gesunder, erfolgreicher Mensch. Doch hinter dieser Fassade verbarg sich ein anderes Leben.
Schon vor dem Sport hatte Alexei eine kriminelle Vergangenheit. Das Boxen wurde, wie er selbst zugab, zu einem Mittel, „das Messer nicht aus der Tasche zu ziehen" – ein Ersatz für die Gewalt, an die er gewöhnt war. Er war Mitglied einer organisierten kriminellen Bande. Gegen Bezahlung steckten sie Häuser, Diskotheken und Autos in Brand. Die Menschen weinten, weil sie eingeschüchtert und geschlagen wurden. Der Sport gab ihm für eine gewisse Zeit die Illusion von Kontrolle – aber er veränderte den Menschen nicht von innen heraus.
Als Alexei ins Gefängnis kam, begann er genau dort, Drogen zu nehmen. Nach seiner Entlassung verschwand die Sucht nicht – sie gewann nur an Fahrt. Er heiratete, eine Tochter wurde geboren. Es schien, als könne das neue Familienleben ein Halt sein. Doch die Drogen zerstörten alles, was sie berührten.
Injektionen. Alkohol. Eine Entziehungskur, die nichts half. Rückfälle, einer nach dem anderen.
Dann – der Schlag. Eine Hirnblutung. Koma. Alexei wurde ins Krankenhaus gebracht, wo man ihm zwei Trepanationen des Schädels durchführte. Er überlebte – kehrte aber als anderer Mensch nach Hause zurück: gereizt, gebrochen, unfähig, mit seinen Angehörigen zusammenzuleben. Seine Frau konnte es nicht mehr ertragen. Er landete auf der Straße.
Ohne Wohnung, ohne Geld, ohne Familie – Alexei lebte auf dem Privoz-Markt in Odessa, am Bahnhof, schlief auf Bänken. Und dann fand er einen Schacht – einen unterirdischen Brunnen mit Heizungsrohren. Er schleppte Karton dorthin, legte sich zwischen die Rohre, um sich zu wärmen. Er schlief ein.
Als er morgens aufwachte und versuchte, ein Streichholz anzuzünden – die Streichhölzer brannten nicht. Im Schacht gab es keinen Sauerstoff. Er wäre im Schlaf fast erstickt.
„Da wurde mir klar, dass ich schon so gut wie tot war. Wie konnte ich, ein Sportler, so ein tatkräftiger Mensch, in einem Schacht landen? Ich habe wirklich zu Gott gebetet. Und, was für mich überraschend war, – Er hat mich erhört", erinnert sich Alexei.
Am selben Abend kam Alexei zum Starosinnaja-Platz in Odessa – dem Ort, an dem die christliche Mission „Neues Leben" regelmäßig Obdachlose mit Essen versorgt. Eine Frau kam auf ihn zu.
— Geht es dir so schlecht? — Schlecht. Ich lebe auf der Straße.
Sie sprach mit ihm ein Bußgebet. Alexei tat Buße – und weinte so sehr, dass die Tränen in Strömen flossen.
— Na, los, wollen wir dein Leben ändern?
Er war zu allem bereit.
Alexei kam in das Rehabilitationszentrum der christlichen Mission „Neues Leben". Genau dort, so seine eigenen Worte, begann der Herr ihn zu berühren. Er durchlief die Rehabilitation. Er ließ sich taufen. Er versprach Gott, mit gutem Gewissen zu dienen.
Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Interviews hatte Alexei bereits drei Jahre lang keinerlei Substanzen konsumiert – weder Drogen noch Alkohol. Absolut nichts.
Mehr noch – er hat sich nicht nur erholt. Er begann, anderen zu dienen. Alexei wurde Diakon der Kirche und Koordinator einer Unterkunft für Behinderte und Rentner, die keine Bleibe mehr hatten. Derjenige, der einst selbst in einem Schacht schlief, gibt nun denen ein Dach über dem Kopf, die es brauchen.
Worte, die Kraft tragen
Alexei verbirgt seine Vergangenheit nicht und schämt sich nicht für seine Narben. Er spricht offen und ehrlich:
„Erziehe einen jungen Menschen am Anfang seines Weges – und er wird auch im Alter nicht davon abweichen. Das sind sehr kraftvolle Worte. Hätte mich jemand in meiner Jugend angeleitet, wäre ich vielleicht ein ganz anderer Mensch. Aber unser Feind, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen kann. Vertraut auf den Herrn und haltet euch fern vom Bösen. Sucht zuerst das Himmelreich – und alles andere wird euch hinzugefügt werden. Aber man muss es durch seine Taten suchen."
Die Geschichte von Alexei Bersenev ist nicht nur ein persönliches Zeugnis. Sie ist der lebendige Beweis dafür, dass die christliche Mission „Neues Leben" nicht mit „Fällen", sondern mit Menschen arbeitet. Mit lebendigen, gebrochenen, verzweifelten – aber nicht hoffnungslosen Menschen. Die Mission versorgt nicht nur mit Essen und bietet keine Unterkunft an. Sie gibt den Menschen eine Chance zur Rückkehr – zu sich selbst, zur Gesellschaft, zum Sinn.
Alexei ist zurückgekehrt. Und jetzt ist er derjenige, der anderen die Hand reicht.